„Hallo Nazi“ – Theater an der OBS

Für den 8. und 9. Jahrgang gab es diese Woche ein Theaterstück, das von Vorurteilen, Testosteron, Wut und Verzweiflung geprägt ist: Das Theater Scheselong aus Berlin führte in der Pausenhalle der Oberschule Soltau das erfolgreiche Stück „Hallo Nazi“ auf. Die Story ist schnell erzählt: Der polnische Schwarzarbeiter Herr Kowalsky und der Neonazi Rudi landen gemeinsam in der Gefängniszelle einer ostdeutschen Kleinstadt, nachdem eine Neonazikameradschaft Jagd auf polnische Arbeiter machte, die die Preise der Autowerkstätten in der Stadt drücken. Dabei wird ein Pole mit einem Wagenheber erschlagen. In der emotional aufgeladenen Gefängniszelle hat die rechtskonservative Polizistin Mühe, die beiden Streithähne auseinanderzuhalten, die mehrmals aufeinander losgehen.

In der Zelle schimpft der Neonazi auf Merkel, Lückenpresse und alle Nicht-Deutschen, während der Pole sich über die Situation in Deutschland und mangelnder Wertschätzung beschwert. Nach einiger Zeit finden die beiden Gefängnisinsassen zueinander. Sie haben die gleiche Begeisterung für Autos, Musik und Kinofilme. Das Stück endet mit einer halbherzigen Entschuldigung des Neonazis für die Tat seiner Kameradschaft, bevor sich die Wege der beiden Kontrahenten trennen.

Im Anschluss des einstündigen Stückes fand eine Diskussionsrunde mit dem Regisseur und den Schauspielern statt. Die Schülerinnen und Schüler hatte Fragen zum Werdegang der Schauspieler und den Herausforderungen, sich in unbequeme und unbeliebte Charaktere hineinzuversetzen.

Zum Abschluss ging es für die Schülerinnen und Schüler des Projektunterrichtes „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ in die Workshops mit den Schauspielern, die über eine theaterpädagogische Ausbildung verfügen. Dabei tauschten sich die Schüler und Schauspieler über Menschenrechte, Rechtsextremismus und Prävention aus.

Das Theater Scheselong war bereits im vergangenen Winter an der Oberschule. Die Schauspieler überzeugten durch eine schonungslose Sprache und trafen den Nerv der Zeit. 2018 fördert das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung überregional Veranstaltungstage an Schulen im Land Niedersachsen. Die Tournee führt die Schauspieler quer durch Niedersachsen, zuletzt in Scheeßel und Cuxhaven.